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Das KHVVG ist seit Januar dieses Jahres in Kraft, andere wichtige Reformvorhaben wurden durch das Scheitern der Ampel-Koalition zunächst gestoppt. Es laufen die Koalitionsverhandlungen, erste Entwürfe liegen vor. Doch das beschlossene Milliardenprogramm birgt die Gefahr, lediglich neue Gelder zu verteilen statt dingende tiefgreifende Reformen im Gesundheitswesen anzugehen.
Beim BrainSnack sprach Sebastian Balzter mit Professor Boris Augurzky über unbedingt nötige Veränderungen im Gesundheitssystem. Ein wichtiger Punkt in den Augen des Gesundheitsökonom ist es, dem starken Anstieg der Beitragssätze entgegenzuwirken. Dazu müsse man die im internationalen Vergleich sehr hohe Inanspruchnahme des Gesundheitswesens hinterfragen. Dies könne durch gezielte Patientensteuerung, ein Primär- oder Hausarztsystem, eine funktionierende ePA und auch eine Eigenbeteiligung der Patienten an den Arztkosten gelingen.
Ein weiterer wichtiger Punkt sei es, die bestehenden Ressourcen im System zu besser einzusetzen. Dazu sollten nach der Meinung von Augurzky die Akteure vor Ort mehr Eigenverantwortung und Handlungsfreiräume bekommen, um nach effizienten Lösungen suchen zu können. Und schließlich sei es wichtig, den Pflegefachkräften mehr Eigenverantwortung zu übertragen und die Prävention entscheidend voranzubringen.
Sofort nötig sei auch eine Reform der Notfallversorgung. Einen gemäßigten Inflationsausgleich für die Kliniken hält Augurzky für überlegenswert. Eine pauschale bundesweit einheitliche Deckelung der Eigenbeteiligung bei Leistungen der Pflegeversicherung einzuführen, sei der falsche Weg. Dadurch würde der wichtige Preiswettbewerb unter den Anbietern abgeschafft.
